Am Mittwoch, den 06.06. und 13.06.2018 besuchten die zwei 10er Sozialwissenschaftskurse der Osterrath-Realschule mit ihren Lehrerinnen Ilka Bergmeier  und Frau Weyrowitz das Amtsgericht in Gütersloh. Im letzten Schuljahr hatten sie sich intensiv mit dem Thema „Recht und Gerichte“ auseinandergesetzt und bekamen nun die Möglichkeit, ihr Wissen in der Praxis zu überprüfen. Nachdem zur Eingangskontrolle die Taschen der Schülerinnen und Schüler durchleuchtet wurden, durften die Kursteilnehmer im großen Sitzungssaal je drei Strafrechtsverhandlungen beobachten und zwischen den einzelnen Verfahren der Richterin Fragen stellen. War die erste Verhandlung noch sehr trocken, da der Angeklagte nicht erschienen war, wurde es im weiteren Verlauf immer spannender. So hörten alle beim nächsten Angeklagten wie kurz der Weg vom Kaufhausdiebstahl zur Bewährungsstrafe ist. Genauso ehrfürchtig wie die Angeklagten verfolgten die Jugendlichen die eindringlichen Ermahnungen der Richterin und des Staatsanwaltes an die Angeklagten, ihr zukünftiges Handeln genau zu überdenken und ihren Erziehungsauftrag ernster zu nehmen. Hatte die Angeklagte doch ihre eigene minderjährige Tochter am Diebstahl beteiligt. Waren sich die Schülerinnen und Schüler hier noch über Schuld oder Unschuld ganz einig, so spaltete ein anderer Fall den Kurs. Ein junger Mann versuchte zu beweisen, dass er nicht, wie von seiner Exfreundin behauptet, Drogen konsumiere und verkaufe, sondern die psychisch labile Frau ihm, wie auch vielen anderen Personen im Freundes- und Bekanntenkreis, Anschuldigungen und Anzeigen anheftete. Die Richterin und der Staatsanwalt ließen sich alles genau schildern, harkten immer wieder nach und luden dann die beteiligten Zeugen. Nachdem diese belehrt worden waren, die Wahrheit zu sagen, forderte die Richterin sie nacheinander auf, den Sachverhalt aus ihrem Blickwinkel zu schildern. Die Denunziantin war ihrer Vorladung jedoch leider nicht nachgekommen, sodass die Richterin einen weiteren Termin veranschlagte. In einer weiteren Verhandlung widersprachen sich die Aussage eines Zeugen aufs Deutlichste und er verwickelte sich in Widersprüche. Besonders die Richterin fragte beharrlich nach und brachte den Zeugen geschickt dazu, die Wahrheit sagen zu müssen. Zwar waren alle an diesem zweiten Besuchstag etwas enttäuscht, kein einziges „richtiges“ Urteil gehört zu haben, verließen jedoch nach drei Stunden den Gerichtssaal und hatten eine starken Eindruck von der Atmosphäre, der Strenge des Gesetzes, aber auch der enormen Bürokratie mit Protokollanten, Formularen und Vorladungen bekommen.
Wichtiger aber noch war wohl der Satz einer Schülerin beim Verlassen des Gebäudes, hier doch wohl besser nicht, oder aber nur als Besucher wiederzukommen!