Am Freitag, den 22. November fand in Bielefeld im Rathaus das dritte Regionaltreffen aller SOR-SMC Schulen statt. Nachdem im vergangenen Jahr eine Schülergruppe der Internationalen Klassen diese Veranstaltung mit ihren Workshops besuchte, bestand die Gruppe dieses Mal aus 16 Achtklässlern, die sich freiwillig gemeldet hatten, um an diesem Tag die Osterrath Realschule zu vertreten.

Nach der Ankunft im großen Saal und einigen ersten Kennenlernspielen lauschten die gut 200 Teilnehmer dem jungen Studenten Hamed Alhamed, der sehr eindrucksvoll über seinen Alltag im einstigen Syrien berichtete. Viele Fotos aus Aleppo und Damaskus zeigten seine Familie und Freunde bei Freizeitangeboten und Glaubens- oder Familienfesten. Die Zuhörer gewannen einen Eindruck eines „ganz normalen Lebens“ in wunderschönen modernen Städten. Sowohl im Outfit, Medienkonsum oder aber auch Lebensfreude hätten diese Aufnahmen auch aus Köln oder Bielefeld stammen können. Nach einer kurzen Pause jedoch zeigte der Referent Bilder der Zerstörung, des Leids und des Krieges. Er berichtete von seiner notwendigen Flucht bis nach Deutschland, seinen Ängsten und Schwierigkeiten in unserem Land. Trotz einer großen Hilfsbereitschaft ihm und seinem Bruder gegenüber, einem Ausbildungsplatz und seinen großen Chancen in Deutschland, habe er immer noch großes Heimweh und eine unbändige Sehnsucht nach seiner Familie. Ganz still wurde es im Saal, als er ein Foto von sich und seinen fünf besten Freunden zeigte und erzählte, auf welche Weise die jungen Männer in seiner Heimat ums Leben gekommen seien, bzw. bis heute vermisst würden. Keiner von ihnen kämpfte als Soldat, alle waren Zivilisten, die von Heckenschützen erschossen oder am Checkpoint der Stadt verschleppt wurden.
Alhamed betonte immer wieder, dass nicht etwa die verschiedenen Glaubensrichtungen oder ethnischen Herkünfte für diesen Krieg sorgen, sondern der Kampf der Regime auch gegen das eigene Volk, weil dieses das Recht auf freie Meinungsäußerung gefordert habe.
Nach einer kurzen Mittagspause, in der das Kommunale Integrationszentrum als Veranstalter für das leibliche Wohl gesorgt hatte, fanden sich die Jugendlichen aus den vielen verschiedenen Schulen des Umkreises in ihren zuvor ausgesuchten Workshops zusammen. In den Gruppen „Hate Speech – Meinungsmache im Netz“, „Liebe kennt keine Grenzen“, Diskriminierung / Rassismus im Deutschrap: Provokation oder Rassismus?“, „Klassismus“, „Rassismus in der Werbung“ und „Vernetzung“ wurde in 2 ½ Stunden definiert, diskutiert und präsentiert wie sich die Jugendlichen zu diesen Themenfeldern positionieren. Die sehr unterschiedlichen Referenten aus den verschiedensten Bielefelder Organisationen schafften es, die Schülerinnen und Schüler aus Wiedenbrück zu begeistern, ihnen viele neue Eindrücke und Ideen mitzugeben und Lust auf das nächste Treffen im November 2020 zu machen.
Die begleitenden Lehrerinnen Ruth Lütkewitte und Julia Weyrowitz bedanken sich, dass ihre engagierten Schülerinnen und Schüler die Osterrath Realschule so großartig vertreten haben und das Thema „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ lebendig in ihrer Schule halten.